Eine vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegebene Studie mit dem Thema „Amphetamin und Methamphetamin - Personengruppen mit missbräuchlichen Konsum und Ansatzpunkte für präventive Maßnahmen“ hat ergeben, dass der Konsum von „Speed“ und „Crystal Meth“ in den verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen zu verorten ist. Eine differenzierte Präventionsarbeit ist daher notwendig.
Wie die Studie feststellt, steigt der Konsum von (Meth-) Amphetamin seit Jahren an. Hierbei verrät der Blick auf die reinen Zahlen genaueres:. So stieg die Anzahl der Klienten aufgrund von Amphetamin-Missbrauch in den sächsischen Hilfeeinrichtungen von 2002 mit 869 Klienten auf 3.501 Klienten im Jahr 2012. Dieser Anstieg wird zurecht als hoch bezeichnet, sollte aber in Relation zu bspw. Klienten mit einer Alkoholabhängigkeit (65.000 Menschen in Sachsen und Thüringen gelten als Alkoholabhängig) gesehen werden. Medienberichte die von einer neuen Drogenwelle sprechen, welche bspw. die Konsumzahlen von Cannabis hinter sich lässt, sind daher nicht hilfreich für eine genaue Betrachtung der Problemlage.
Die Studie zeigt auf, dass innerhalb der Grenzregionen zu Tschechien ein vermehrter Konsum von „Crystal“ feststellbar ist. Hierbei spielen die unterschiedlichen Konsummuster eine sehr herausragende Rolle. Die Studie hat in folgenden Konsumgruppen inklusive spezifischen Handlungsempfehlungen (siehe Studie in der Anlage Seite 76 ff.) unterschieden:
Insgesamt ist unter diesen Gruppen der Frauenanteil mit ca. 30% relativ hoch im Vergleich zum Konsum von anderen Rauschmitteln. Grundlegend muss zudem gesagt werden, dass vom Konsum von (Meth-) Amphetamin mittelbar der aktuelle Zeitgeist abgelesen werden kann. So zeigen die Ergebnisse der Konsumgruppe „Berufstätigkeit“, dass hier der Drogenkonsum in der Regel funktional genutzt wird. So scheinen Berufsgruppen mit schwerer körperlicher Arbeit, langen Arbeitszeiten, Schichtarbeit und monotonen Arbeitsabläufen besonders betroffen zu sein. Unbedingt zu funktionieren und den immer höher werdenden Anforderungen zu genügen scheint also einen beachtenswerter Faktor für den Konsum darzustellen. Die unregulierte Verfügbarkeit in Deutschland kann hierbei ein Katalysator sein, sodass der Konsum in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen ist. In der jetzigen Situation ist die Erstellung von spezifischen Präventionsangeboten zum (Meth-) Amphetamin-Konsum in jedem Fall sehr sinnvoll.
Die neue Bundesdrogenbeauftragte der Bundesregierung Mortler (CSU) betonte hierbei richtigerweise, dass es sich daher um eine große Herausforderung für die Präventionsarbeit handelt. Unterschiedliche Konsumgruppen bedeuten unterschiedliche Handlungsanweisungen und Präventionskonzepte für die Suchthelferinnen und -helfer. Ebenso bedeutet das aber auch, dass die kommunale Finanzierung von Suchthilfeeinrichtungen endlich einer finanziellen Stärkung bedarf. So haben die letzten Gespräche von Frank Tempel bei der Landesstelle für Suchtprävention in Thüringen ergeben, dass die Arbeit vor Ort unter der fehlenden Ausfinanzierung der Kommunen mittlerweile kaum mehr nachhaltig möglich ist. Zudem wurde erst vor kurzem bekannt, dass die Große Koalition eine Kürzung der Mittel für Modellprojekte und Forschung zum Suchtmittelmissbrauch in der aktuellen Haushaltsplanung vornehmen will. Die Forderung der Grünen nach einem „Aktionsplan Crystal“ unterstützen wir und werden uns dafür einsetzen, dass dieser ebenso konkrete Finanzmittel für die spezifische Unterstützung von Präventionsarbeit in den betroffenen Kommunen enthält. Wir werden zudem einen Änderungsantrag zur Haushaltsplanung 2014 einreichen, damit die geplanten Kürzungen im Haushalt 2014 zurückgenommen werden.