19. November 2013 Stefan Kunath

Forscher erklären Verbotspraxis in Drogenpolitik für gescheitert

Quelle: Flickr.de | ID: West Midlands Police

Quelle: Flickr.de | ID: West Midlands Police

Anfang Herbst dieses Jahres veröffentlichte die Fachzeitschrift BMJ Open eine englischsprachige Studie, die den internationalen Krieg gegen die Drogen für gescheitert erklärte. Grundlage für dieses Urteil waren die Auswertungen von bis zu 20 Jahre alten Längstschnittdaten aus verschiedenen nationalen Statistiken zu Preis, Reinheit und Anzahl der Sicherstellungen von Cannabis, Kokain und Opiaten. Frank Tempel hat die Studie über den Sprachendienst des Bundestages ins Deutsche übersetzen lassen, um die Ergebnisse auch der deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Nach Auswertung verschiedener nationaler Statistiken kommen die Forscher zum eindeutigen Ergebnis: „Obwohl mehr Mittel in Maßnahmen zur Angebotsreduzierung durch Rechtsdurchsetzung fließen, die den weltweiten Zustrom von Drogen unterbinden sollen, sind die Preise illegaler Drogen seit 1990 fast ausnahmslos gefallen, während ihre Reinheit generell zugenommen hat. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die verstärkten Bemühungen, den globalen illegalen Drogenmarkt durch Rechtsdurchsetzung unter Kontrolle zu bekommen, scheitern.“

Ziel der LINKEN wird es sein, die gewonnenen Erkenntnisse in die in Deutschland geführte Debatte über die Legalisierung von Drogen einfließen zu lassen. Die künftige Bundesregierung muss die bisherige Verbotspraxis in der Drogenpolitik beenden. Zur Evaluierung und Reform der Drogenpolitik müssen internationale Erfahrungen stärker in der hiesigen Debatte bedacht werden. Im Interesse eines effektiven Verbraucher-, Jugend- und Gesundheitsschutzes darf die Bundesregierung die Erkenntnisse über die Sinnlosigkeit der Verbotspraxis nicht länger ignorieren.

Anhang:

Übersetzung der Studie „Das temporäre Verhältnis zwischen Indikatoren für das Drogenangebot: eine Untersuchung internationaler staatlicher Überwachungssysteme“ | Sprachendienst des Deutschen Bundestages | Frey