Demographischer Wandel – was ist zu tun? - Bericht von der Jahrestagung des Deutschen Bundesbund (dbb) vom 08.-10.01.2012 in Köln
15.01.2012
Schwerpunkt der diesjährigen Jahrestagung des Deutschen Beamtenbundes (dbb) war das Thema demographischer Wandel. Denn auch der öffentliche Dienst ist vom demographischen Wandel auf vielfältigste Weise betroffen. Die Überalterung der Beschäftigten ist aber keine schicksalhafte Entwicklung sondern hausgemacht. Einstellungsstopps, jährliche Abbauquoten der Beschäftigtenzahlen, ein Auseinanderklaffen von Pensionierungen einerseits und unzureichenden Neueinstellungen andererseits haben dazu geführt, dass in den nächsten 10 Jahren fast 20 Prozent der 700.000 Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in den Altersruhestand wechseln ohne das für ausreichend Nachwuchs gesorgt wurde. Verschärfend kommt hinzu, dass sich - angesichts der gesunkenen Arbeitslosenzahlen - die Konkurrenzsituation der öffentlichen Hand, bei der Gewinnung hochqualifizierter Arbeitskräfte, gegenüber der Privatwirtschaft zugespitzt hat. Schon jetzt existiert ein Mangel an Ingenieuren und IT-Spezialisten.
Mit der letzten Förderalismusreform ist die Gestaltung des Dienstrechts auf die Länder gefallen, so dass unterschiedliche Vergütungs- und Arbeitszeitregeln eine unproduktive Konkurrenz zwischen den Ländern als auch gegenüber dem Bund erzeugen. Auf diese Zusammenhänge wurden auf der dbb-Jahrestagung insbesondere vom ddb-Vorsitzenden Peter Heesen hingewiesen.
In ihrem Grußwort lobte die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel die Regierung für die Rückkehr zur Weihnachtsgeldregelung, obwohl dieser Schritt, gegen alle Versprechungen, mit einem Jahr Verspätung erfolgte. Zu den demographischen Herausforderungen, also dem eigentlichen Thema der Jahrestagung, war hingegen wenig von ihr zu hören. Einzig mit der Forderung, Frauen den Berufseinstig zu erleichtern und Arbeitsbedingungen zu schaffen, welche die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern, sprach sie das Thema an. Ob dieser Forderung auch konkrete Taten folgen, lies die Kanzlerin freilich offen.
Frank-Jürgen Weise (Vorsitzender des Vorstands der Bundesanstalt für Arbeit) stellte detailliert die Möglichkeiten dar, mit deren Hilfe Frauen, Bürger mit ausländischen Wurzeln und Menschen mit Behinderung an den Arbeitsmarkt herangeführt werden können. Es gebe noch viele Reserven im Bildungssystem, in der freien Wirtschaft und im öffentlichen Dienst um Menschen in würdige Arbeit zu bringen.
In der Podiumsdiskussionen der Bundestagsabgeordneten forderte Frank Tempel die Arbeitswelt so umzugestalten, dass familienfreundliche Bedingungen eine Selbstverständlichkeit darstellen. Eine immer größere Arbeitsbelastung, weite Anfahrtswege, viel zu wenige Hausarbeitsplätze und Möglichkeiten für Teilzeitarbeit führen zu Überforderung bis hin zur emotionalen Erschöpfung (Burnout). Immer mehr Bedienstete gehen deshalb unter Abstrichen an der Altersversorgung frühzeitig in die Rente. Andere finden gar nicht erst den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Das sind Entwicklung denen aktiv entgegen gesteuert werden muss.
Beitrag von Jürgen Sauermann
